A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z




Traumdeutung Friedhof

Tod; Transformation - Was ist fĂŒr mich vorĂŒber?

Jeder von uns hat auf nahem oder fernem Friedhofe ein Grab, das einen dahingegangenen geliebten Menschen birgt. Wir haben aber auch einen Friedhof in uns drin und in ihm manches Grab verlorener Hoffnungen, des Abschieds, des nicht Wiedersehens. Der Sinn der FriedhofstrÀume ist klar:
sie reden von der StĂ€tte der Toten. Wer im Traume an ein Grab nach dem Friedhof geht, der sucht eine Welt auf, die fĂŒr ihn noch geheimes Leben enthĂ€lt. Der Traumgang nach dem Friedhof wird meist dann getan, wenn der Mensch in echten Lebenskonflikten nicht ein noch aus weiß; dann sucht er, dem das Leben nicht genĂŒgend Antwort gibt, diese Antwort am Grabe derer, die viel Leben mit in die dunkle Erdentiefe nahmen. Der Sinn der FriedhoftrĂ€ume ist nicht eindeutig. Manche Menschen haben ein bestimmtes Grab aufzusuchen, weil ein Problem, das mit dem Toten zusammenhĂ€ngt, noch nicht gelöst ist. Andere wieder tragen oft wider eigenes Erwarten Blumen und KrĂ€nze hin. Offenbar hat eine GefĂŒhlsregression, ein RĂŒckfluten der GefĂŒhlskrĂ€fte, denen Wirkung in der Gegenwart versagt blieb, stattgefunden. Besonders bei alternden Menschen sind diese TrĂ€ume hĂ€ufig.

Manche stehen da jahrelang an allzu frĂŒhen GrĂ€bern. Das Leben erlaubt eben kein Stehenbleiben, erlaubt nicht das Verweilen beim geliebtesten Toten; und geschieht es dennoch, so schickt es seine gefĂ€hrlichsten Leichen- und FriedhoftrĂ€ume. Wer einen geliebten Menschen verloren hat und alle jenen Dinge erfĂŒllte, welche Todesanzeigen, Bestattungen und Trauer heißen, in dem ist der Tote oft monatelang noch nicht gestorben. Nach Monaten erscheint jener bei vielen Menschen auftauchende Traum: Der Hinterbliebene findet am Rande etwa seines Gartens, am Waldrand oder in einem nicht benutzten Zimmer den dahingegangenen Menschen, atmend und noch lebend, auf einem schlichten Lager. Er spricht ihn beglĂŒckt und erstaunt an, und es kann vorkommen, daß der Tote sagt, er sei genĂ€hrt worden von Kindern, vom Gesinde oder von mitleidigen Bauersfrauen, nĂ€mlich von KrĂ€ften, die nicht zum Bewußtsein gehören. BeglĂŒckt eilt dann der TrĂ€umer, dieses Wunder den anderen zu verkĂŒnden. In dem Augenblicke aber erfĂ€hrt er, daß der Wiederbelebte wirklich tot sei. Er hat also feststellen mĂŒssen, daß er in ihm drin noch nicht gestorben war, daß aber in dieser Stunde die Seele den Tod des geliebten Menschen fĂŒr sich als vollzogen aufgenommen hat. Die vielen TrĂ€ume vom Tode beweisen, wie tief das Erlebnis des Sterbens, des Abschiednehmens, des Verlustes in uns drin wohnt. Es ist der Tod ein urtĂŒmliches, ein archetypisches Geschehen, dem gegenĂŒber man sich richtig zu verhalten hat. Wo im Traume Todesluft weht, die Klage und der blasse Schein von GrĂ€bern herĂŒberdringt, da sollte man sich noch einmal ernstlich mit den vom Traume geĂ€ußerten Ansichten zu diesen schmerzlichen VorgĂ€ngen beschĂ€ftigen, um in sich selbst Frieden zu gewinnen. Denn alles muß an seinem Orte sein, das Leben und der Tod, der ja auch eine Zustandsform des Lebens, in all seiner Dunkelheit, vielleicht ein Tor zum grĂ¶ĂŸeren Leben ist.

Ein Friedhof und seine Verbindung mit dem Tod kann im Traum die Persönlichkeitsmerkmale des TrĂ€umenden reprĂ€sentieren, die er "vernichtet" hat, oder nicht mehr benutzt. Andererseits symbolisiert er vielleicht die Gedanken und GefĂŒhle, welche der TrĂ€umende zum Tod hat, oder aber gĂ€ngige Einstellungen und Traditionen in bezug auf das Sterben. In seinen TrĂ€umen kann der Mensch gefahrlos zulassen, daß seine Ängste auf akzeptable Weise an die OberflĂ€che kommen, und ein Friedhof kann Symbol eines angemessenen Umgangs mit diesen Ängsten sein. Der Totenacker erscheint in einer Zeit echter Lebenskonflikte im Traum. Dann suchen wir gewissermaßen Rat bei denen, die man dort besucht - von den verstorbenen Eltern (oder einem Elternteil) verspricht man sich Trost, der schon die Überwindung der anstehenden Probleme bedeutet. Man sucht also im Grab den Ausweg aus der Situation, die sich dunkel und unheildrohend vor einem auftut. Seltsamerweise trĂ€umen Frauen hĂ€ufig von einem Friedhof. Die Angst, irgend jemand oder man selbst werde sterben, ist aber unbegrĂŒndet. Vielmehr scheint es die Sehnsucht einer durch Beruf, Haushalt und Kinder ĂŒberlasteten Frau nach Ruhe auszudrĂŒcken. Es ist kaum irgendwo ruhiger. Friedhof kann zuweilen einen Todesfall ankĂŒndigen, wenn es darauf Hinweise im realen Leben gibt. Andere traditionelle Bedeutungen ergeben sich aus folgenden BegleitumstĂ€nden:

- Einen Friedhof sehen deutet vielleicht auf die Trennung (nicht Tod) von einem sehr nahestehenden Menschen hin.
- Einen Friedhof betreten bedeutet, sich in Vergangenheitsbereiche einzuspinnen. Oder wir wollen etwas begraben, wovon wir frei werden möchten.
- Auf dem Friedhof stehen, sitzen oder gehen kann versprechen, daß man ein geruhsames, glĂŒckliches Alter zu erwarten hat.
- Weilen wir im Traum auf einem Friedhof, so ist das ein Zeichen, daß wir rĂŒckgewandt an Verlorenem hĂ€ngen und nicht davon loskommen können.
- Auf dem Friedhof beobachten, wie jemand zu Grabe getragen wird, fordert dazu auf, in einer bestimmten Situation die bisherigen Erwartungen und Einstellungen aufzugeben, damit man vorwÀrts kommt.

- Unruhe wegen neuer Probleme, besonders wenn man vor eine Entscheidung gestellt wird; man wird alle Dinge bezwingen;
- sehen: bedeutet ein erfreuliches Ereignis sowie Genesung bei Kranken; viele Hoffnungen werden sich erfĂŒllen;
- Soldatenfriedhof sehen: kĂŒndet politische Wirren und Kriegsgefahr an;
- einen betreten: man erinnert sich an frĂŒhere Ereignisse und wird von diesen in Beschlag genommen, das man nun begraben will;
- auf einen schön angelegten sein: unerwartet Nachricht erhalten, daß ein Todgeweihter wieder genesen ist;
- auf einem verweilen: man hÀngt noch zu sehr an der Vergangenheit;
- einen alten, von BrombeerstrĂ€uchern ĂŒberwucherten Friedhof sehen: alle geliebte Menschen ĂŒberlassen einem der Obhut von Fremden;
- Blumen auf einen bringen: kĂŒndet einen Todesfall in der Verwandtschaft an;
- bringt eine Mutter frische Blumen auf einen Friedhof: sie kann mit dauerhaft guter Gesundheit der Familienangehörigen rechnen;
- besucht eine junge Witwe den Friedhof: sie wird bald ihre Trauerkleidung mit einem Brautkleid tauschen; fĂŒhlt sie sich dabei traurig und niedergedrĂŒckt: ihr stehen abermals Kummer und Sorgen bevor;
- offenes Grab: deutet einen Todesfall an;
- schlendern junge Menschen durch totenstille GrÀberfelder: die liebevolle Zuneigung von Freunden wird einem zuteil; aber auch Sorgen kommen, die selbst Freunde nicht abzuwenden vermögen;
- BrÀute, die auf dem Weg zur Hochzeit an einem Friedhof vorbeikommen: werden ihre EhemÀnner bei ReiseunfÀllen verlieren;
- sehen alte Menschen einen Friedhof: sie werden bald auf die letzte Reise gehen und ihre endgĂŒltige Ruhe finden;
- zwischen den GrĂ€bern kleine Kinder Blumen pflĂŒcken und Schmetterlinge nachjagen sehen: es wird eine glĂŒckliche Wende im Leben vorausgesagt; man muß keinen Freund zu Grabe tragen; man erfreut sich allerbester Gesundheit.

Siehe auch BegrÀbnis Grab Sarg


Das Lexikon von Traumdeutung-Traumsymbole.de umfaßt über 9000 Erklärungen und Deutungen zu Begriffen des alltäglichen Lebens. Die Begriffserklärungen sind dazu gedacht, einen ersten Anhaltspunkt über die mögliche Bedeutung eines Traumes zu bekommen, und können eine professionelle Traumdeutung nicht ersetzen.
www.viversum.de