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Traumdeutung Jugend

An keinen Ort, in keine geographische oder seelische Landschaft kehrt der Tr√§umende h√§ufiger zur√ľck als in das Land der Jugend. Wie viele Tr√§ume beginnen: Ich war daheim, in unserem fr√ľheren Haus, auf dem Dorfe, in der Stadt, da ich aufgewachsen. Manchmal ist es, als ob die Tr√§umenden diesen Ort der Kindheit fast nicht mehr verlassen k√∂nnten. Da steckt offenbar ein Teil der Seele des erwachsenen Tr√§umers in einer innern Situation, welche entweder mit Geschehnissen der Jugend zusammenh√§ngt oder sich in deren Bilde aussprechen kann. Die innere Intensit√§t der Jugendtr√§ume Erwachsener kommt unter anderem daher, da√ü das Kind die Welt in den ersten Jahren fast magisch, als ein Zauberland, erlebt; es ist mit ihr unbewu√üt noch eins. Aber auch die werdende Bewu√ütheit empf√§ngt sehr starke Eindr√ľcke in einer jungen und frischen Seele. Da geschieht die erste und deshalb "ergreifende" Begegnung mit der Welt. Man ahnt deren Ordnung und Unheimlichkeit, das Be√§ngstigende, Verwirrende und all die F√ľlle und Sch√∂nheit.

Jugendzeit ist pers√∂nliche Mythenzeit, symbolkr√§ftiger Morgen des Lebens. Leerer oder mi√ühandelter Jugend entw√§chst auf Jahrzehnte hinaus eine besonders bittere Lebensnot. Die Jugend ist, √ľblicherweise ohne viel eigene Verantwortung, bei den meisten Kindern noch enthoben schwerer Lebenssorgen. Auch steht diese Zeit nicht unter den G√∂ttern und D√§monen des Triebgl√ľckes und der Triebanfechtungen; noch scheint der junge Mensch alle M√∂glichkeiten vor sich zu haben, selbst Elend, Enge und Not sehen nie endg√ľltig aus. Dies ist ein Grund der r√ľckw√§rtsschreitenden Sehnsucht alternder Menschen, die ihre schmalen M√∂glichkeiten l√§ngst ausgenutzt haben. Das Kind wohnt auch in einer Umwelt, die es liebt; es ist noch besch√ľtzt, eben daheim. Dies alles ist bei der Deutung von Tr√§umen, die in der Jugendlandschaft, im Einst des Kindheitsgeschehens sich abspielen, in Erw√§gung zu ziehen. Tr√§ume, die sich im Jugendland abspielen, k√∂nnen einen positiven oder auch negativen Sinn haben. Im Laufe unserer pers√∂nlichen Entwicklung wird von uns nicht alles benutzt, was uns das Leben an F√§higkeiten von Anbeginn mitgab. So bleibt ein Teil davon latent in dem Bezirk unserer Seele, welcher die Bilder der Kindheit enth√§lt. Man tr√§umt h√§ufig eine bestimmte Stra√üe von damals, die man l√§ngst vergessen hat. Wir haben uns nun zu fragen: Wer wohnte dort, was geschah dort, um wohin zu gelangen passierte man diese Stra√üe? Man hat diese Frage zu beantworten und wird mit Hilfe des Kontext und der Einf√§lle auf Zusammenh√§nge kommen, die etwas wiederbeleben, was zur√ľckgeblieben ist, zur√ľckgeblieben in jener Stra√üe und ihren Bewohnern. Dieser Inhalt soll sich nun unserem Wesen assimilieren. Wir k√∂nnen auch anderswo, in einer Stube, auf einem Hofe, in vergessenen G√§rten, am Kanal, etwas von unserem Wesen liegen gelassen haben. Zur Zeit kommen wir innerlich nicht recht vorw√§rts, wir sind in Stagnation und haben nun aus dem Traum heraufzuholen, was an jenem Ort, in einem einstigen Kameraden, in einem Buche unserer Jugendlekt√ľre investiert ist. Ger√§te, Tiere, √Ėrtlichkeiten, verwandte, l√§ngst dahingegangene Menschen der damaligen Umwelt tauchen auf und mit ihnen das, wof√ľr sie ein Gleichnis sind. Dies wird nun in die N√§he unseres Bewusstseins ger√ľckt, wird greifbar und kann zu unserem neuen, vertieften Besitz werden. Wenn wir uns als Erwachsene am Ort unserer Jugend vorfinden, dann sind wir bei unserem "Urspr√ľnglichen" angelangt, da wo etwas wachsen, erwachsen kann. Wenn ein Mann einen Mitmenschen, eine neue, wichtige Beziehung im Traum in den Stra√üen seiner Heimat, in seinem elterlichen Hause, begegnet, dann hat er das Neue in sein urspr√ľngliches Wesen aufgenommen oder ihm gegen√ľbergestellt; was daheim geschieht, geschieht bei mir! Solche Tr√§ume, da wir als Erwachsene mit Erwachsenen unserer Gegenwart treffen, sind wohl positiv zu deuten.

Ebenfalls positiv ist die Ankn√ľpfung heutigen Geschehens an eine Erinnerung damaliger gl√ľcklicher Reisevorbereitung oder an einen Erfolg des damaligen Knaben oder M√§dchens in der Schule, an eine erste Liebe. Man ist wieder in den eigenen Pers√∂nlichkeitsanf√§ngen drin, und das Neue ist √ľbergl√§nzt vom Morgenlichte jener Jugend. Sind wir aber wieder Kinder in dieser vergangenen sch√∂nen oder sorgenbesetzten Zeit, dann ist der Traum kaum g√ľnstig zu nennen, dann sind wir eben selbst wieder Kind. Es ist Infantiles, Unentwickeltes in uns oder etwas, das die Flucht nach Hause nehmen m√∂chte, ins Unverantwortliche, Unerwachsene, wir wollen umhegt werden von den anderen. Damit entfernen wir uns noch mehr von der Wirklichkeit und den Aufgaben unseres erwachsenen Lebenstages. Es kann vorkommen, da√ü Menschen, die √ľbertrieben viel leisten, rastlose des Erfolges, solche Tr√§ume kompensatorisch haben m√ľssen; denn ihre Einheitlichkeit, etwa die Berufs√ľberbewertung, der Kampf um die Geltung, haben sie eine Seite ihres Wesens nicht entwickeln lassen. Damit ist eine nicht ungef√§hrliche Spannung entstanden zwischen dem unentwickelten Kinde, dem "Kindischen", und dem gerissenen Manne mit seinen Au√üenerfolgen. Bekanntlich √§u√üert sich diese Kindische, diese nicht mitentwickelte Seite, besonders l√§cherlich oder betr√ľblich im Verkehr mit der eigenen Familie, in Krankheiten oder in irgendeiner erzwungenen Stille. Es gibt auch Tr√§umer, die v√∂llig h√§ngen bleiben in einem unbewu√üten Zustande; sie haben sich heimlich zur√ľckgezogen in eine freilich nur scheinbar weiterbestehende Jugendzeit, um dem Leben mit seinen gro√üen und bem√ľhenden Anforderungen auszuweichen. Die wegleitenden Tr√§ume stellen uns dann wirklich als Kinder dar, verlangen aber im ganzen Traumablauf offensichtlich einen beschleunigten und endlichen Entschlu√ü, erwachsen zu werden. Gestalten und Ereignisse und vor allem die magische Landschaft unserer Jugendjahre tauchen besonders eindr√ľcklich auf, um unsere Lebensmitte. Sie bringen Material herauf, das wir entweder in den Jahren seither nicht gen√ľgend verarbeiteten - etwa fr√ľhe peinliche Erlebnisse, bestimmte Elternbeziehungen, Erkenntnisse, die damals dem Kinde aufgegangen und die wir haben fallen lassen, oder etwa das Erlebnis des Todes von Eltern, Geschwistern oder Kameraden. Zu ihnen haben wir eine neue Einstellung zu gewinnen, nachdem die bisherige Einstellung und Beurteilung - etwa unserer Eltern - f√ľr die ersten zwei Jahrzehnte unseres bewu√üten Lebens durchaus gen√ľgend gewesen waren. Junge Leute, die eben in das Erwachsensein hineingewandert sind, sollen nicht vor ihrer Kindheit tr√§umen, denn ihr Leben meint Kommendes und nicht Differenzierung des Vergangenen. Es ist also ung√ľnstig zu bewerten, wenn junge Leute im Traum immer wieder nach Hause zur√ľckkehren. Der Blick auch des Unbewu√üten darf derzeit nicht nach r√ľckw√§rts gehen, sonst erstarrt man und vergi√üt fasziniert vom entweichenden das zuk√ľnftige Ziel. Dagegen sind Jugendtr√§ume am Platze in der Wandlungszeit der Reife, da diese eben zu ihrem Neubau auch des Materials der Vergangenheit bedarf. Jugendtr√§ume alter Leute sind ein Zeichen, da√ü der Lebensring sich schlie√üt, der alte Mensch tut eine Heimkehr zu seinen Anf√§ngen, hinter denen der erste Fr√ľhschein einer viel zu gro√üen, ewigen Jugend aufgl√§nzt, oder dann ist es schon wieder der erste Schritt in ein neues Leben.

Im Traum kehrt man oft in seine Kindheit und Jugend zur√ľck - vor allem Menschen, die in der zweiten Lebensh√§lfte stehen. Jugend kann darauf hinweisen, da√ü man sich auf das bevorstehende Altern vorbereiten sollte, und auch vor betonter Jugendlichkeit √§lterer Menschen warnen, die sich dadurch leicht l√§cherlich machen. Der Tr√§umende zieht gewisserma√üen die Bilanz seines bisherigen Lebens, sitzt wieder auf der Schulbank und schwitzt √ľber seine Schularbeit, macht noch einmal sein (l√§ngst bestandenes) Examen und f√§llt oft genug durch. Hier meldet sich meist das √úber-Ich des Tr√§umenden, also sein Gewissen. H√§ufig spiegeln solche Tr√§ume die Besch√§ftigung mit den Sorgen und N√∂ten der eigenen Kinder oder Enkelkinder wieder, manchmal aber zeigen sie auch eigene unn√∂tige √Ąngste auf. Oft erlebt man im Traum Situationen, an die man sich l√§ngst nicht mehr bewu√üt erinnern kann. Dies kann dem Tr√§umenden den Schl√ľssel f√ľr neurotische Komplexe geben, da viele Verhaltensweisen aus Erlebnissen in der Jugendzeit entstehen. Vielleicht versinnbildlicht sie auch eine in Gang gekommene Entwicklung der Pers√∂nlichkeit. Positive Bedeutung haben unbekannte Kinder oder die Geburt im Traum, sie sind Symbole f√ľr neue M√∂glichkeiten. Erscheint der Tr√§umende selbst als kleines Kind, oder treten Angeh√∂rige als Kinder oder viel j√ľnger als in der Wirklichkeit auf, so kann dies eine Todesbotschaft sein.

- von jungen Leuten tr√§umen: Freude; prophezeien Schlichtung von Familienstreitigkeiten und eine g√ľnstige Zeit f√ľr die Planung neuer Unternehmungen;
- wieder jung sein: gewaltige Anstrengungen unternehmen, verpaßte Gelegenheiten aufzuholen, jedoch ohne Erfolg;
- Kinder in der Schule sehen: man wird in den Genuß von Wohlstand und Wohlergehen kommen;
- Sieht eine Mutter ihren Sohn ins S√§uglings- oder Kindesalter zur√ľckversetzt, werden alte Wunden heilen, und sie wird zu ihren jugendlichen Hoffnungen und zu ihrer Heiterkeit zur√ľckfinden. Stirbt ihr Kind, warten b√∂ses Ungl√ľck und Elend auf sie.

Siehe auch Kind Schule Verwandlung


Das Lexikon von Traumdeutung-Traumsymbole.de umfaßt über 9000 Erklärungen und Deutungen zu Begriffen des alltäglichen Lebens. Die Begriffserklärungen sind dazu gedacht, einen ersten Anhaltspunkt über die mögliche Bedeutung eines Traumes zu bekommen, und können eine professionelle Traumdeutung nicht ersetzen.
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